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B1: Ökonomie, Ökologie und Gerechtigkeit zusammendenken

Veranstaltung: LDK Sachsen Januar 2014
AntragsstellerIn: Landesvorstand BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen
Status: Eingereicht
Eingereicht: 11.12.2013, 14:50 Uhr

Antragstext

143Eine gute Lebensqualität für alle Generationen können wir langfristig
144nur dann erhalten, wenn wir in einer solidarischen Ökonomie die
145Grenzen der Natur respektieren. Nur dann kann ein Ausgleich zwischen
146Starken und Schwachen stattfinden, werden kulturelle Werte erhalten
147bleiben und kann eine vielfältige, inklusive Bildungslandschaft
148vorhanden sein. Wir fragen auch nach den Folgekosten, die durch
149Umweltbelastungen entstehen, beispielsweise durch klimaschädliche CO2-
150Emissionen oder krankmachende Lärmbelästigungen. Für uns GRÜNE misst
151sich Wohlstand nicht nur am Wachstum des Bruttoinlandsprodukts,
152sondern auch an der Lebensqualität und dem Umgang mit der Natur. Eine
153GRÜNE Wirtschaftspolitik will die AkteurInnen in Wirtschaft und
154Gesellschaft für Investitionen in die Umweltbedingungen gewinnen. Wir
155wollen die soziale Marktwirtschaft in eine sozial-ökologische
156Marktwirtschaft umbauen.
157Ressourceneffizient wirtschaften und Recycling stärken
158Um Wohlstand nachhaltig zu sichern, muss effizienter mit Rohstoffen
159umgegangen werden. Wo es möglich ist, müssen endliche Ressourcen durch
160erneuerbare ersetzt werden. Die Förderung von Material- und
161Ressourceneffizienz steigert auch die Wettbewerbsfähigkeit der
162sächsischen Wirtschaft. Denn bei steigenden Rohstoffpreisen lohnen
163sich frühzeitige Investitionen. Wir wollen die dafür notwendigen
164Innovationen ermöglichen.
165Ein wichtiges Ziel GRÜNER Wirtschaftspolitik ist die postfossile
166Kreislaufwirtschaft: Nachhaltiges Wirtschaften ist nur möglich, wenn
167die eingesetzten Rohstoffe über den Lebenszyklus eines Produkts hinaus
168wieder vollständig in den Produktionsprozess zurückgelangen und sie
169nicht mehr aus endlichen Reserven entnommen werden. Hierfür sind auch
170in Sachsen rechtliche Voraussetzungen zu schaffen. Besonders dringlich
171ist die Aufgabe, unsere Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren. Experten
172gehen davon aus, dass das globale Ölfördermaximum – der „Peak Oil“ –
173in wenigen Jahren erreicht sein wird. Dann wird der Rohstoff Erdöl
174immer knapper und zwangsläufig immer teurer werden. Auf die
175erdölabhängigen Industrien kommen erhebliche Herausforderungen zu.
176Auch sächsische Unternehmen sind von dieser Entwicklung betroffen,
177wenn wir nicht umsteuern – so z. B. die Automobilbranche, die
178chemische Industrie oder der Maschinen- und Anlagenbau. Die
179Wirtschaftspolitik des Freistaates muss Unternehmen aktiv dabei
180unterstützen, die Auswirkungen von „Peak Oil“ auf ihre
181Geschäftsmodelle zu überprüfen. Wichtig ist uns die Unterstützung der
182Materialforschung, um Alternativen zum Erdöl zu finden. Förder- und
183Kreditprogramme sollen grundsätzlich an Kriterien der Rohstoff- und
184Energieeffizienz gebunden werden. Im Bausektor wollen wir nicht nur
185das Recycling, sondern auch die Wiederverwendung geeigneter Bauteile
186voranbringen.
187Energieeffizienz fördern
188Der Umstieg auf energieeffiziente Technologien ist wichtig, aber
189gerade für Sachsens mittelständische Unternehmen sehr schwer, weil die
190notwendigen Finanzmittel kurzfristig zur Verfügung stehen müssen, die
191Einspareffekte sich aber erst mittelfristig einstellen. Deshalb wollen
192wir ein Programm für günstige Investitionskredite für
193Energiesparmaßnahmen in mittelständischen Unternehmen auflegen. Im
194Förderzeitraum 2014-2020 sollen Mittel aus dem EU-Regionalfonds
195verstärkt dafür genutzt werden, sächsische Unternehmen bei der
196Steigerung der eigenen Energieeffizienz zu unterstützen. Die lokale
197Wirtschaft kann so zum europäischen Ziel einer 20 Prozent höheren
198Energieeffizienz bis 2020 beitragen. Das Wirtschaftsministerium muss
199die Unternehmen intensiver beraten, insbesondere hinsichtlich der
200bestehenden Förderprogramme der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die in
201Sachsen noch relativ selten abgerufen werden.
202Wir wollen die Forschung zu Energieeffizienz und die Umsetzung ihrer
203Ergebnisse durch spezialisierte Transfergesellschaften fördern.
204Energieeffiziente und -einsparende Technologien sind zukunftsträchtig
205und bieten gerade einem Wirtschaftsstandort wie Sachsen mit
206kleinteiliger Wirtschaftsstruktur und vielen Ingenieuren große
207Chancen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen eine Verbundinitiative für den
208Bereich Energie- und Materialeffizienz auf den Weg bringen.
209Neue Förderpolitik
210BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen wollen Zukunftsbranchen und Projekte
211fördern, die für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
212entscheidend sein werden. GRÜNE Wirtschaftspolitik macht
213Unternehmerinnen und Unternehmer stark, die sozial und ökologisch
214nachhaltig handeln und das Gemeinwohl im Blick haben. Die Zugänge zur
215Förderung müssen für alle Branchen fair und transparent sein. Ein
216geeignetes Mittel der Förderpolitik ist die Auflage revolvierender
217Fonds, die durch die Rückzahlungen erfolgreich geförderter Unternehmen
218aufgefüllt werden können. Neue oder spezifische Branchen wie die
219Kultur- und Kreativwirtschaft oder der Dienstleistungsbereich brauchen
220adäquate Hilfen beim Zugang zu Förderung. Die Ansprechpartnerinnen und
221Ansprechpartner müssen über spezifische Qualifikationen in allen
222Branchen verfügen, auch in innovativen oder alternativen
223Wirtschaftsbereichen.
224Viele sinnvolle Förderprogramme werden deshalb nicht in Anspruch
225genommen, weil sie zu bürokratisch und zu kompliziert in der
226Beantragung und Handhabung sind. Besonders kleine, mittelständische
227und Start-up-Unternehmen brauchen unbürokratische Förderung oder Hilfe
228bei der Antragstellung. Wir wollen, dass die EU-Förderprogramme
229innovative und Nachhaltigkeit fördernde Projekte unterstützt, dass die
230Verfahren vereinfacht und die Auszahlungsfristen für bereits
231bewilligte und abgerechnete Mittel auf maximal ein halbes Jahr
232begrenzt werden.
233Es ist sinnvoll, sich vernetzende Unternehmen in Form einer
234Verbundprojekteförderung zu fördern. Dabei muss es aber die freie Wahl
235der Unternehmen bleiben, ob sie auf eigenes Wachstum setzen oder
236Clusterstrategien. GRÜNES Ziel ist es, Ausgaben für Forschung und
237Entwicklung auf mehrere Schultern zu verteilen. Auch ganze
238Wertschöpfungsketten gemeinsam abzuschöpfen und regional in der Hand
239zu behalten, ist ein wichtiger Zweck von Vernetzung.
240BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen Partner von Gründerinnen und Gründern
241sein. Dazu bedarf es leichterer Zugänge zu Gründungskapital,
242kompetenter Beratung, Lotsendiensten, einer guten Evaluation als
243langfristig angelegte Begleitung für junge Unternehmerinnen und
244Unternehmer und einer entschiedenen Entbürokratisierung. Eine enge
245Verzahnung von Hochschulen und Gründungsförderung ist entscheidend, um
246jungen Absolventinnen und Absolventen den Start in die
247Selbstständigkeit zu erleichtern. Dies darf nicht nur für technische
248Studiengänge gelten, sondern besonders auch für innovative Ideen aus
249den Bereichen Kreativwirtschaft, Dienstleistung und Soziales. Hierfür
250müssen alle öffentlichen Akteure zum Beispiel in der Sächsischen
251Aufbaubank spezielles Know-How auch für neue Branchen
252weiterentwickeln.
253Kleinteiligkeit als Chance nutzen
254Sachsens Wirtschaft besteht zu über 95 Prozent aus Klein- und
255Kleinstunternehmen. Diese Wirtschaftsstruktur verstehen wir als
256Potenzial. Kleine Unternehmen sind flexibel, unternehmerisch kreativ,
257offen für Kooperationen, wollen gute Arbeit schaffen und nachhaltig
258wirtschaften.
259Grüne Wirtschaftspolitik unterstützt die Europäische Charta für
260Kleinunternehmen aus dem Jahr 2000.
261Sächsische Unternehmen sollen nachhaltig wachsen. Deshalb wollen wir
262Kooperationen, sinnvolle Fusionen und das Bilden von Konsortien für
263kapitalintensive Projekte vorrangig fördern. Große Projekte besonders
264im Bereich neue Energiewirtschaft oder Materialinnovation brauchen
265Anschubhilfe. Förderprogramme müssen mehr als bisher Branchencluster
266berücksichtigen und Wertschöpfungsketten stärken. Zentral ist auch die
267Bereitstellung oder Vermittlung von Wagniskapital.
268Die Industrie- und Handelskammern in Sachsen müssen ihre Vernetzungs-
269und Lotsenfunktion stärker wahrnehmen und sich daran auch messen
270lassen. Die Pflichtmitgliedschaft der Unternehmen in der IHK muss sich
271auch in anderen Tätigkeitsfeldern als der Wahrung des dualen
272Ausbildungssystems auszahlen. Dafür sollten die IHKs noch aktiver als
273bisher die Bedürfnisse von Unternehmen nach Vernetzung und
274Weiterbildung erfassen und bedienen. Andernfalls muss das Modell der
275Pflichtmitgliedschaft grundsätzlich in Frage gestellt werden.
276Innovation ermöglichen
277Angesichts knapper werdender öffentlicher Mittel müssen vor allem die
278betrieblichen Anstrengungen für Forschung und Entwicklung offensiv
279gestützt werden. Dies ist nicht unbedingt eine Frage der Höhe von
280Fördergeldern. Oft entsteht Innovation durch die Förderung einer
281Marktpotenzialanalyse, die Neudeutung von Produkten, neue
282Marketingideen, das Bereitstellen von neuen Dienstleistungen oder
283durch innovative handwerkliche Lösungen beim Umsetzen von
284Alltagsaufgaben. Wichtig für Innovation sind dabei auch nicht mehr nur
285die klassischen Branchen im High-Tech-Bereich. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
286in Sachsen setzen sich für die gleichwertige Behandlung aller Formen
287von Innovation ein und nehmen Branchen wie das moderne Handwerk, die
288Kultur- und Kreativwirtschaft, die Gesundheitswirtschaft und den
289Sozial- und Bildungsbereich als Innovationsmotoren ernst.
290Regionale Wirtschaftskreisläufe stärken
291Die großen Verwerfungen auf internationalen Märkten haben wir nicht in
292der Hand. Umso entscheidender ist, was hier vor Ort in unseren
293Regionen passiert. Stärkung und Ausbau regionaler
294Wirtschaftskreisläufe und deren Vernetzung untereinander helfen
295sächsischen Handwerks- und Dienstleistungsunternehmen, insbesondere in
296strukturschwachen ländlichen Regionen und während Krisenzeiten. Die
297besten Ideen dazu entstehen vor Ort. Deshalb wollen wir mittels
298Regionalbudgets die Eigenverantwortung der Regionen stärken und die
299AkteurInnen motivieren, selbst aktiv zu werden – überregional vernetzt
300und gut evaluiert. Dabei können wir viel erreichen – Arbeitsplätze
301entstehen vor Ort und bleiben langfristig erhalten, wir werden
302unabhängiger von überregionalen Preisdiktaten, kurze Transport- und
303Arbeitswege schonen Kosten und die Umwelt, Regionen und ihre regionale
304Marken schaffen Identität. Ihren Beitrag für regionale
305Wirtschaftskreisläufe können auch Regionalgeld-, Handels- und
306Tauschnetze schaffen.
307Vergaberecht modernisieren
308Eine nachhaltige, soziale und ökologische Politik zählt auch bei der
309öffentlichen Beschaffung und Vergabe. Deshalb wollen wir ein
310Vergabegesetz einführen, das Umwelt- und Sozialstandards konsequent
311anwendet und die Effizienz öffentlicher Ausgaben des Freistaates
312Sachsen und seiner Kommunen sichert. Umwelt- und
313Energieeffizienzkriterien, die Verringerung von Ressourcenverbrauch
314und geringere Entsorgungskosten sollen Maßstab öffentlicher
315Beschaffung werden. Das vordergründig billigste Angebot ist nicht
316unbedingt das wirtschaftlichste.
317Die Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen gelingt durch die
318losweise Ausschreibung und Vergabe. Wir wollen den Schwellenwert für
319die freihändige Vergabe auf 10.000 Euro senken, damit mehr Aufträge
320öffentlich ausgeschrieben werden. Das fördert den Wettbewerb und kommt
321kleineren und mittleren Unternehmen zugute.
322Veröffentlichungspflichten dienen der Transparenz und besserer
323öffentlicher Kontrolle. Wir wollen die Vergabe von öffentlichen
324Aufträgen von der Tariftreue der Unternehmen abhängig machen. Wir
325setzen uns darüber hinaus für die Förderung von Frauen oder die
326Beschäftigung von Schwerbehinderten und Langzeitarbeitslosen als
327Zuschlagskriterium bei öffentlichen Vergaben ein.
328Für einen fairen Arbeitsmarkt mit Chancen für alle
329BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen einen chancenreichen Arbeitsmarkt in
330Sachsen, der allen Mitgliedern der Gesellschaft fairen Zugang,
331Teilhabe und gutes Auskommen sichert. Wir wollen es uns nicht leisten,
332dass Jugendliche keine Abschlüsse haben und sächsischen Unternehmen
333gut ausgebildete ArbeitnehmerInnen vor Ort fehlen. Dafür brauchen wir
334eine Arbeitsmarktpolitik, die die richtigen Rahmenbedingungen für eine
335barrierefreie Arbeitswelt, Durchlässigkeit und individuelle
336Entwicklungsmöglichkeiten setzt. Um eine zielgenaue Ausbildung zu
337erreichen, müssen insbesondere kleine und mittlere Betriebe in die
338Lage versetzt werden, selbst das passende Personal auszubilden.
339Um einem gravierenden Fachkräftemangel in Sachsen vorzubeugen, wollen
340wir nicht nur die bisherige Niedriglohnpolitik der Staatsregierung
341beenden, sondern auch die Qualität von Arbeitsplätzen verbessern.
342Unsere bildungs- und hochschulpolitischen Vorschläge dienen der
343persönlichen Entwicklung, ermöglichen verschiedene Lebensentwürfe und
344sichern eine gute Fachkräftebasis in Sachsen.
345Darüber hinaus sehen wir die aktive Förderung der Integration von
346Migrantinnen und Migranten, Älteren sowie Menschen mit Behinderungen
347in den Arbeitsmarkt als wichtige arbeitsmarktpolitische Aufgabe. Der
348öffentliche Dienst kann dafür als Arbeitgeber eine
349Vorbildfunktionwahrnehmen. In kleinen und mittleren Unternehmen kann
350für die Vorteile einer vielfältigen Belegschaft geworben werden.
351Unser Ziel ist es, so vielen Jugendlichen wie möglich eine duale
352Berufsausbildung zu ermöglichen. Dafür müssen wir auch die
353Schulabbrecherquote in Sachsen deutlich senken. Die Fachschulen sehen
354wir als wichtige Ergänzung dazu.
355Sachsen kann auch auf die Potenziale älterer Arbeitnehmerinnen und
356Arbeitnehmer nicht verzichten. Deshalb wollen wir Unternehmen dabei
357unterstützen, lebenslanges Lernen, altersgerechte Arbeitsorganisation
358und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz zu ermöglichen. Jobcenter und
359Arbeitsagenturen sollen so ausgestattet sein, dass sie einer
360qualitativ hochwertigen individuellen Unterstützung älterer
361Arbeitsloser gerecht werden können.
362Ausgrenzungen von Menschen mit Behinderungen können mit
363funktionierenden Alternativen zu den Werkstätten für behinderte
364Menschen beendet werden. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern wirksame
365Instrumente in Sachsen wie ein Budget für Arbeit, den Ausbau von
366Integrationsbetrieben, die Qualifizierung unterstützter Beschäftigung
367und Arbeitsassistenz im allgemeinen Arbeitsmarkt sowie die
368Weiterentwicklung persönlicher Budgets für die berufliche und
369gesellschaftliche Teilhabe. Wir ermutigen Unternehmen, insbesondere
370mehr junge Menschen mit Behinderungen auszubilden. Wir setzen uns für
371die Einrichtung einer zentralen Vermittlungsagentur ein, die gezielt
372Menschen mit Behinderungen in Berufe ihrer Qualifikation vermittelt.
373Willkommen in Sachsen!
374Unser Einsatz für Weltoffenheit und für eine Willkommenskultur
375gegenüber Migrantinnen und Migranten ist nicht wirtschaftlich
376motiviert, aber wirtschaftlich sinnvoll, weil wir auf die Zuwanderung
377von Menschen angewiesen sind. Menschen, die zu uns kommen, sollen alle
378Chancen offen stehen. Wir wollen die Vorrangprüfung für ausländische
379StaatsbürgerInnen aufheben, damit alle Menschen, die hier rechtmäßig
380oder geduldet leben, berechtigt sind zu arbeiten. Wir brauchen
381schnellere und transparente und bundesweit vereinheitlichte
382Anerkennungsverfahren ausländischer Abschlüsse. Eine gezielte
383rechtliche Beratung und Förderung interkultureller Kompetenzen klein-
384und mittelständischer Unternehmen hilft. Denn noch immer gibt es
385Vorbehalte, rechtliche Unsicherheiten und Berührungsängste gegenüber
386der Einstellung und Ausbildung von Migrantinnen und Migranten. Das
387wollen wir GRÜNE ändern.
388Arbeitsuchende verdienen Respekt und Unterstützung
389BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, dass sich die Jobcenter
390in Sachsen in erster Linie als Dienstleister für die Arbeitsuchenden
391verstehen: Diese Rolle erfordert ausreichendes und gut qualifiziertes
392Personal und in vielen Fällen ein gut organisiertes Beschwerde- und
393Konfliktmanagement. Wir halten eine unabhängige Beratung für ein
394geeignetes Mittel, teure und die Betroffenen belastende juristische
395Auseinandersetzungen zu vermeiden. Entsprechende Angebote soll der
396Freistaat unterstützen. Die Kommunen müssen in ihrer Verantwortung für
397die Jobcenter gestärkt werden. Die Aus- und
398Weiterbildungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose müssen verbessert
399werden, indem das Erlangen anerkannter Berufsabschlüsse gefördert
400wird. Eine flächendeckende Weiterbildungsberatung für Arbeitslose und
401geringqualifizierte Beschäftigte sollte im Rahmen der
402Sozialgesetzgebung ermöglicht werden. Für Menschen, die keine Chance
403auf Vermittlung haben, brauchen wir einen Sozialen Arbeitsmarkt, der
404langfristig neue Perspektiven durch sinnstiftende
405sozialversicherungspflichtige Beschäftigung schafft. In der EU-
406Strukturfondsperiode 2014-2020 werden Sozialunternehmen über den
407Europäischen Sozialfonds erstmals förderfähig. Sachsen soll diese
408Fördermöglichkeit nutzen.
409Die Vielzahl an Widersprüchen zu Bescheiden und an Klagen vor
410Sozialgerichten zeigen, dass bürokratische Anforderungen und die
411Bescheide nur wenig transparnet sind. Oft erscheinen Sanktionen
412willkürlich. Wir wollen unabhängige Ombudsstellen einrichten, die sich
413mit Beschwerden und unklaren Rechtsauslegungen befassen, um so die
414Sozialgerichte zu entlasten und die sozialen Bürgerrechte der
415Betroffenen zu garantieren. Die individuellen Folgen von und
416Problemlagen bei Erwerbslosigkeit sind vielfältig. Wir brauchen daher
417eine von den Sozialleistungsträgern unabhängige qualifizierte Beratung
418für Betroffene und die Bereitstellung individueller psychosozialer
419Hilfen.
420Mindestlohn einführen
421Sachsen soll kein Billiglohnland bleiben. Wir wollen diese Strategie
422der Staatsregierung beenden, weil sie Sachsen nicht nach vorne bringt.
423Wir setzen uns bundesweit für einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50
424Euro ein. Mit einem Landesmindestlohngesetz kann der Mindestlohn für
425die Beschäftigten des Freistaates und der Kommunen wie auch für die
426Beschäftigten von Unternehmen, die von Aufträgen der öffentlichen Hand
427leben, garantiert werden. Zuwendungen und Versorgungsverträge sollen
428so gestaltet werden, dass Mindestlöhne auch tatsächlich bezahlt werden
429können. Eine paritätisch durch ArbeitnehmerInnen und ArbeitgeberInnen
430besetzte Landesmindestlohnkommission kann nähere Bestimmungen zur Höhe
431des Mindestlohns aushandeln.
432Sozialwirtschaft stärken
433Die Sozialwirtschaft trägt rund mit rund 7 Prozent zur
434Bruttowertschöpfung in Sachsen bei. Fast jeder zehnte Arbeitsplatz in
435Sachsen befindet sich in der Sozialwirtschaft. Wir fordern für die
436Sozialwirtschaft faire Löhne, eine gezielte Nachwuchsförderung, den
437Ausbau der akademischen Ausbildungen und langfristige Planungen. Wir
438brauchen bessere Arbeitsbedingungen und mehr gesellschaftliche
439Anerkennung für Beschäftigte im Gesundheits-, Pflege- und
440Bildungsbereich.
441Handwerk hat GRÜNEN Boden
442Um Innovationen aus dem Handwerk zu fördern, sind Hemmnisse, wie die
443Technologielastigkeit vieler Förderprogramme und die grundsätzliche
444Vernachlässigung von Dienstleistungsinnovationen zu überwinden.
445Wir wollen Förderinstrumente, die direkt an das Handwerk adressiert
446sind bzw. die Öffnung bereits vorhandener Programme für
447Handwerksbetriebe.
448Viele staatliche Maßnahmen und Rahmenbedingungen haben mittelbare
449Konsequenzen für die Entstehung von Innovationstätigkeiten im
450Handwerk. Die Wirkungen sind oftmals sehr viel weitreichender, als
451gezielte Förderprogramme sie je haben könnten. So helfen „grüne Ideen“
452im Handwerk nicht nur dem Klima, sondern auch der Bilanz: Gerade
453Gebäudebau und -sanierung, dezentrale Energieversorgung mit
454erneuerbaren Energien, Energiesparen oder Energieeffizienz bieten dem
455Handwerk einen enormen Wachstumsmarkt und fördern innovative
456Aktivitäten.
457Ab ins Grüne! Umweltverträglicher Tourismus in Sachsen
458Der sächsische Tourismus hat viel zu bieten. Die Besonderheit von
459einzigartigen Landschaften, Kulturstädten und industrieller Geschichte
460locken jedes Jahr mehr Menschen nach Sachsen. Der Tourismus zählt zu
461den größten Arbeitgebern im Freistaat. Zukunftsfähige Tourismuspolitik
462verbindet die Bedürfnisse der Gäste und der lokalen Bevölkerung mit
463denen des Natur- und Umweltschutzes. Nachhaltigkeit im Tourismus ist
464ein nationaler und internationaler Wettbewerbsvorteil. Wir wollen eine
465auskömmliche Finanzierung von Pflege und Erhalt der charakteristischen
466Natur- und Kulturlandschaften in Sachsen. Dafür brauchen wir
467Verbündete wie die naturnah wirtschaftenden LandwirtInnen, Obst- und
468WeinbäuerInnen sowie die Nichtregierungsorganisationen, die Natur- und
469Umweltbildung anbieten. Genauso wichtig ist es, die Lücken im
470touristischen Wegenetz in Sachsen zu schließen: eine einheitliche
471Ausschilderung, Wegeführung zu Attraktionen und Versorgungs- und
472Beherbergungseinrichtungen, Qualitätsservice, Berücksichtigung von
473Aktivurlaubswünschen und verbesserter, vertakteter öffentlicher
474Verkehr, sowohl innerhalb der Regionen als auch zu den Regionen hin.
475BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN fördern den Kinder- und Jugendreisesektor und
476achten auf familienfreundliche und kostengünstige Unterkünfte, damit
477auch kinderreiche Familien bei uns in Sachsen Urlaub machen können.
478Hier bietet Sachsen vor allem in den ländlichen Räumen großes
479Entwicklungspotenzial. Die Zusammenarbeit der öffentlichen und der
480privaten Hand muss verbessert werden. In der kommenden Legislatur wird
481Förderung vor allem bei der überbetrieblichen Infrastruktur, der
482einzelbetrieblichen Risikominderung, bei Qualifizierung, Innovation
483und Vernetzungsaufgaben benötigt. Nachhaltige Tourismusregionen tragen
484erheblich zu einer dauerhaften Wertschöpfung und zum Wohlstand der
485Bevölkerung bei und sind gleichzeitig Impulsgeber für eine
486zukunftsfeste Regionalentwicklung.

Änderungsanträge