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Änderungsantrag B1-Ä374-2

Veranstaltung: LDK Sachsen Januar 2014
Ursprungsantrag: Ökonomie, Ökologie und Gerechtigkeit zusammendenken
AntragsstellerIn: Miro Jennerjahn (KV Leipzig Land)
Status: Eingereicht
Eingereicht: 10.01.2014, 15:44 Uhr

Änderungsantragstext

Im Absatz von Zeile 328 bis 372
Für einen fairen Arbeitsmarkt mit Chancen für alle
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen einen chancenreichen Arbeitsmarkt in Sachsen, der allen Mitgliedern der Gesellschaft fairen Zugang, Teilhabe und gutes Auskommen sichert. Wir wollen es uns nicht leisten, dass Jugendliche keine Abschlüsse haben und sächsischen Unternehmen gut ausgebildete ArbeitnehmerInnen vor Ort fehlen. Dafür brauchen wir eine Arbeitsmarktpolitik, die die richtigen Rahmenbedingungen für eine barrierefreie Arbeitswelt, Durchlässigkeit und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten setzt. Um eine zielgenaue Ausbildung zu erreichen, müssen insbesondere kleine und mittlere Betriebe in die Lage versetzt werden, selbst das passende Personal auszubilden.
Um einem gravierenden Fachkräftemangel in Sachsen vorzubeugen, wollen wir nicht nur die bisherige Niedriglohnpolitik der Staatsregierung beenden, sondern auch die Qualität von Arbeitsplätzen verbessern. Unsere bildungs- und hochschulpolitischen Vorschläge dienen der persönlichen Entwicklung, ermöglichen verschiedene Lebensentwürfe und sichern eine gute Fachkräftebasis in Sachsen.
Darüber hinaus sehen wir die aktive Förderung der Integration von Migrantinnen und Migranten, Älteren sowie Menschen mit Behinderungen in den Arbeitsmarkt als wichtige arbeitsmarktpolitische Aufgabe. Der öffentliche Dienst kann dafür als Arbeitgeber eine Vorbildfunktionwahrnehmen. In kleinen und mittleren Unternehmen kann für die Vorteile einer vielfältigen Belegschaft geworben werden.
Unser Ziel ist es, so vielen Jugendlichen wie möglich eine duale Berufsausbildung zu ermöglichen. Dafür müssen wir auch die Schulabbrecherquote in Sachsen deutlich senken. Die Fachschulen sehen wir als wichtige Ergänzung dazu.
Sachsen kann auch auf die Potenziale älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht verzichten. Deshalb wollen wir Unternehmen dabei unterstützen, lebenslanges Lernen, altersgerechte Arbeitsorganisation und Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz zu ermöglichen. Jobcenter und Arbeitsagenturen sollen so ausgestattet sein, dass sie einer qualitativ hochwertigen individuellen Unterstützung älterer Arbeitsloser gerecht werden können.
Ausgrenzungen von Menschen mit Behinderungen können mit funktionierenden Alternativen zu den Werkstätten für behinderte Menschen beendet werden. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern wirksame Instrumente in Sachsen wie ein Budget für Arbeit, den Ausbau von Integrationsbetrieben, die Qualifizierung unterstützter Beschäftigung und Arbeitsassistenz im allgemeinen Arbeitsmarkt sowie die Weiterentwicklung persönlicher Budgets für die berufliche und gesellschaftliche Teilhabe. Wir ermutigen Unternehmen, insbesondere mehr junge Menschen mit Behinderungen auszubilden. Wir setzen uns für die Einrichtung einer zentralen Vermittlungsagentur ein, die gezielt Menschen mit Behinderungen in Berufe ihrer Qualifikation vermittelt.
Attraktive Arbeitsbedingungen für sächsische ArbeitnehmerInnen
Von einer gerechten Arbeitsmarktpolitik profitieren alle: Die Arbeitgeber durch motivierte und hochqualifizierte Beschäftigte, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer durch faiere und sichere Arbeitsplätze und der Freistaat Sachsen als attraktives Bundesland. Wir GRÜNE wollen attraktive Rahmenbedingungen für qualifizierte Fachkräfte schaffen - im ländlichen Raum genauso wie in den Ballungszentren. Dazu müssen die eigenen Potenziale der Regionen mobilisiert werden. GRÜNE Wirtschaftspolitik hat sich diesem Ziel verpflichtet. Innovative mittelständische Unternehmen sind ein wichtiges Standbein der sächsischen Wirtschaft. Um im Wettbewerb bestehen zu können brauchen sie fähige und qualifizierte ArbeitnehmerInnen. Diese sind nur zu gewinnen, wenn es uns gelingt, die Qualität der Arbeitsplätze zu erhöhen, indem zum Beispiel für gute Arbeit faire Löhne gezahlt werden und Maßnahmen ergriffen werden, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern und die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen zu fördern.
Gute Arbeitsleistungen über die gesamte Dauer eines gesunden Erwerbslebens entstehen nur in einer menschlichen Arbeitskultur. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Unternehmen und Staat müssen der gesundheitlichen Vorsorge und einem menschlichen Arbeitsumfeld daher mehr Bedeutung zumessen. Hierzu wollen wir GRÜNE ein integriertes Handlungskonzept zur Verbesserung des gesetztlich vorgeschiebenen Arbeitsschutzes, der Arbeitssicherheit und der Gesundheitsförderung, der Sozialberatung sowie des betriebliches Gesundheitsmanagement in Zusammenarbeit mit sächsischen Unternehmen entwickeln. Der Freistaat ist selbst Arbeitgeber und hat mit gutem Beispiel voranzugehen. Angestellte des Freistaates Sachsen, insbesondere im Gesundheitswesen, als Lehrer und Erzieher sowie im Polizeidienst, sind besonderen physischen und psychischen Belastungen ausgesetzt. Um sie zu entlasten wollen wir eine verpflichtende organisatorische Gesundheitsförderung für Mitarbeiterinnen und Mitarbeier in Krankenhäusern sowie in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen ein. In der Schulaufsicht streben wir eine Institutionalisierung des Themas "Lehrergesundheit" an und wollen darüber hinaus die Anzahl der Abordnungen von Lehrkräften durch stärkere personelle Selbstständigkeit der Schulen und durch ein dichteres Schulnetz verringern. In der sächsischen Polizei werden wir den Aufbau eines flächendeckenden sozialpsychologischen Dienstes, mit mindestens einem Vertreter in jeder Polizeidienststelle, zur Vor- und Nachbereitung von Einsätzen, die mit Gewalt verbunden sind zielstrebig vorantreiben. Durch diese Maßnahmen und ein gemeinsam zu erarbeitendes Gesamtkonzept kann negativen Stress am Arbeitsplatz abgebaut und die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen verbessert werden.
Ein großer Teil des Aufschwungs am sächsischen Arbeitsmarkt ist dem massiven Ausbau der Leiharbeit zuzuschreiben. Leiharbeitskräfte verdienen im Durchschnitt 35 bis 45 Prozent weniger als die Stammbelegschaft. Die Jobs in der Leiharbeit sind zudem in der Regel befristet. Wir GRÜNE wollen, dass die Leiharbeit wieder zu einem sozialverträglichen Instrument zum Abfedern von Auftragsspitzen wird. Hierzu setzen wir uns für "gleichen Lohn für gleiche Arbeit" ab dem ersten Tag im Betrieb ein! Zudem wollen wir die Quote der Leiharbeit in einem Unternehmen auf maximal 10 Prozent begrenzen, um so dem Missbrauch von Leiharbeit von Anfang an einen Riegel vorzuschieben.
Zwischen Arbeits- und Privatleben sollte ein ausgewogenes Verhältnis herrschen (Work-Life-Balance). Ziel ist es, über den gesamten Lebensweg hinweg für Familie, private Interessen oder bürgergesellschaftliches Engagement ausreichend Spielraum zu schaffen. Wir wollen, dass sächsische Männer und Frauen selbstveständlich Auszeiten oder Arbeitszeitverkürzungen in Anspruch nehmen können, ohne dadurch Nachteile in ihrem Berufsleben oder bei ihren Karrierechancen zu erfahren. Notwendig ist eine andere Anerkennungskultur von Arbeit, die neben der Erwerbsarbeit geleistet wird. Nicht die Dauer der Anwesenheit am Arbeitsplatz steht im Vordergrund, vielmehr sollte ein Mix von Home-Office und Anwesenheitspflicht am Arbeitsplatz ermöglicht werden und das Arbeitsergebnis in den Fokus gerückt werden. Zur Work-Life-Balance gehört auch der Aspekt der altersgerechten Arbeit. Wir GRÜNE setzen uns für älterne ArbeitnehmerInnen ein, indem wir die Weiterentwicklung und den Ausbau der Möglichkeiten zur selbstbestimmten Arbeitszeitplanung durch Langzeitkonten, Teilzeitoptionen oder temporäre Freistellungen im öffentlichen Dienst und in der Wirtschaft im Freistaat Sachsen vorantreiben.

Begründung

Neben den wichtigen und richtigen Forderungen, diejenigen zu unterstützen, deren Zugang zum Arbeitsmarkt erschwert oder fast gar nicht gegeben ist, sollten wir auch die Bedingungen derjenigen beachten, die in Arbeit stehen und für eine humane Ausgestaltung der Arbeitsplätze werben. Insbesondere die Möglichkeiten für Arbeitsplätze, die unmittelbar im Verantwortungsbereich der Staatsregierung stehen, sollten genutzt werden, damit der Freistaat mit gutem Beispiel voran geht.