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C4: Landwirtschaft im Einklang mit der Natur

Veranstaltung: LDK Sachsen Januar 2014
AntragsstellerIn: Landesvorstand BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen
Status: Eingereicht
Eingereicht: 11.12.2013, 16:09 Uhr

Antragstext

1399Ackerböden sind lebendige Ökosysteme, in denen eine Vielfalt von
1400Organismen zusammen wirkt. Nur so kann sich der Boden selbst erneuern,
1401nur so ist ein gesundes Wachstum von Pflanzen möglich. Nachhaltig und
1402langfristig verantwortbar ist daher nur der ökologische Landbau, weil
1403nur er die Lebensfähigkeit des Bodens für die Zukunft sichert und auf
1404Dauer ausreichend gesunde Nahrungsmittel erzeugen kann. In Sachsen
1405werden derzeit nur vier Prozent der landwirtschaftlichen Fläche
1406ökologisch bewirtschaftet. Während die sächsischen VerbraucherInnen
1407immer mehr Bio-Produkte kaufen, kann deren Nachfrage bisher bei weitem
1408nicht durch die regionale Produktion gedeckt werden. Mehr ökologisch
1409bewirtschaftete Flächen sind sowohl durch Umstellen vorhandener
1410Landwirtschaftsunternehmen auf ökologischen Landbau als auch durch
1411Neugründung ökologisch wirtschaftender Betriebe möglich.
1412BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen wollen die bäuerliche, ökologische
1413Landwirtschaft unterstützen und fördern. Einseitig auf
1414Leistungsmerkmale überzüchtete, genetisch besonders
1415krankheitsanfällige Kulturpflanzensorten und Nutztierrassen sind von
1416synthetischen Düngern, Antibiotika und dem Einsatz von Pestiziden
1417abhängig. Das Ziel „Klasse statt Masse“ muss bei der Züchtung und
1418Auswahl der Sorten und Rassen ansetzen.
1419BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen ermutigen zum Naturschutz in der
1420Landwirtschaft. Wir wollen ein landesfinanziertes Naturschutz-
1421Förderprogramm installieren, mit dem Maßnahmen flexibel,
1422unbürokratisch und ohne Vorfinanzierung umgesetzt werden können. Wir
1423wollen alle über die gegebenen EU-Kontrollen hinausgehenden
1424zusätzlichen sächsischen bürokratischen Schikanen abschaffen.
1425Wir fordern verbandsunabhängige, qualifizierte Beratungsangebote für
1426Fragen der ökologischen Erzeugung, Verarbeitung und Produktvermarktung
1427für sächsische Betriebe. Das kann z. B. mithilfe der Errichtung eines
1428Kompetenzzentrums Ökolandbau Sachsen geschehen.
1429Raus aus der Gentechnik!
1430Der Anbau genmanipulierter Kulturpflanzen ist mit unkalkulierbaren
1431Risiken verbunden. Deshalb lehnen die meisten Menschen in Sachsen
1432deren Anbau ab. Agro-Gentechnik befördert weltweit Monokulturen und
1433gefährdet Umwelt, Arbeitsplätze und die gentechnikfreie Produktion.
1434Sie bedroht die Wahlfreiheit der VerbraucherInnen, sich für
1435gentechnikfreie und ökologische Lebensmittel entscheiden zu können.
1436Haupteinfallstor für die Agro-Gentechnik sind gentechnisch veränderte
1437Futtermittel. Agro-Gentechnik macht LandwirtInnen noch abhängiger von
1438wenigen weltweit agierenden Konzernen.
1439BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN fordern eine agrogentechnikfreie Land- und
1440Lebensmittelwirtschaft in Sachsen. Wir wollen, dass der Anbau
1441genmanipulierter Pflanzen in Sachsen dauerhaft ausgeschlossen bleibt
1442und lehnen daher auch jegliche Züchtung genmanipulierter Pflanzen ab.
1443Wir setzen uns darüber hinaus für eine transparente Kennzeichnung
1444gentechnischer Veränderungen bei in den Handel kommenden Produkten
1445ein, auch bei Fleisch, Milch und Käse von Tieren, die mit gentechnisch
1446veränderten Erzeugnissen gefüttert wurden. Den Anbau einheimischer
1447Eiweißfutterpflanzen, wie der Ackerbohne und Futtererbse wollen wir
1448wiederbeleben. Wir unterstützen Initiativen für gentechnikfreie
1449Regionen und Kommunen. Sachsen soll dem Netzwerk gentechnikfreier
1450Regionen beitreten.
1451Pestizideinsätze reduzieren
1452Der hohe Pestizideinsatz in der Landwirtschaft ist eine der
1453Hauptursachen für den Rückgang der biologischen Vielfalt in der
1454Agrarlandschaft. Agrochemikalien gefährden viele Arten, sie bedrohen
1455alleine in Sachsen 13 Biotoptypen. Langzeitfolgen können dabei noch
1456gar nicht abgeschätzt werden. Angesichts der Tatsache, dass heute über
145740 Prozent der Ackerflächen mindestens einmal im Jahr mit, auch für
1458den Menschen gefährlichen, Totalherbiziden (Unkrautbekämpfungsmittel)
1459behandelt werden, fordern wir den größtmöglichen Verzicht auf
1460Pestizide. Wir wollen erreichen, dass in der sächsischen
1461Landwirtschaft nur noch Agrochemikalien eingesetzt werden, deren
1462Unbedenklichkeit, auch für Arten und Lebensräume, zweifelsfrei
1463nachgewiesen ist.
1464Schluss mit der industriellen Massentierhaltung!
1465Tiere sollten stets unter art- und verhaltensgerechten Bedingungen
1466gehalten werden. Industrieartige Großställe, in denen Legehennen,
1467Masttiere und –geflügel, aber auch Milchkühe auf engstem Raum gehalten
1468werden, können art- und verhaltensgerechter Tierhaltung in keiner
1469Weise gerecht werden. Gerade weil die Landwirtschaft staatlich
1470subventioniert ist, fordern immer mehr Menschen tiergerechte und
1471umweltverträgliche Bedingungen ein. Aufgrund der erhöhten Belastung
1472durch Transporte, Gerüche, Staub und Keime an den Standorten solcher
1473Großanlagen regt sich zudem der wachsende Widerstand durch
1474AnwohnerInnen. Es wachsen die Bedenken, dass die Tierfabriken das
1475Orts- und Landschaftsbild beeinträchtigen und die ländlichen Räume als
1476Erholungs- und Tourismusgebiete infrage stellen. Sachsen hat aber
1477ausgerechnet die Errichtung neuer Massentieranlagen durch z. T.
1478branchenfremde Investoren mit öffentlichen Fördermitteln massiv
1479unterstützt. Oft sind diese Anlagen zudem nicht in die einheimische
1480Landwirtschaft integriert.
1481Wir sächsischen GRÜNEN wollen die pauschale Förderung der
1482Massentierhaltung durch eine nachhaltige, an ökologischen und
1483tierschutzgerechten Kriterien orientierte Förderung ablösen.
1484Das Abgabeverbot von Antibiotika zu bloßen Wachstumszwecken muss
1485besser kontrolliert werden. Tiere sollen nur dann mit Medikamenten
1486behandelt werden, wenn sie krank sind. Ein Kontrollmechanismus, um den
1487restriktiven Antiobiotikaeinsatz sicherzustellen ist z. B. die
1488Stärkung der Amtsveterinäre durch entsprechende der Aus- und
1489Weiterbildung.
1490BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen fordern, dass Richtlinien für eine
1491Mindestzeitspanne der Mast aufgestellt werden, die sich an den
1492natürlichen Wachstumszeiten der jeweiligen Arten orientieren. Die
1493künstliche Verkürzung der Aufzucht bzw. Mastdauer durch Qualzucht oder
1494einseitige Fütterung mit Kraftfutter muss beendet werden. Nachhaltige
1495Landwirtschaft bedeutet auch, dass die Lebensleistung von Nutztieren
1496Vorrang vor der Jahresleistung haben muss. Das heißt, dass Zuchtformen
1497und Haltungssysteme zu bevorzugen sind, die zwar eine geringere
1498Jahresleistung haben, bei denen aber Legehennen länger als ein Jahr
1499legen und Milchkühe länger als drei Jahre gemolken werden können.
1500Tierquälerische Praktiken wie die Schwanzamputation bei Schweinen, das
1501Schnabelkürzen bei Legehennen oder das Töten männlicher Eintagsküken
1502müssen beendet werden. Bei Schlachtung und Transport der Tiere muss
1503der Tierschutz konsequent eingehalten werden. Wir wollen auch
1504erreichen, dass die Transportzeiten der Tiere minimiert werden. In
1505großen, zentral verorteten Schlachthöfen besteht darüber hinaus immer
1506die Gefahr, dass sich gefährliche Keime ausbreiten.
1507Unterhalb der Schwelle zum Ökolandbau sollen für konventionelle
1508Tierzuchtbetriebe unterschiedliche Stufen der Haltung definiert und
1509bei den Erzeugnissen leicht erkennbar angeben werden. Bei Hühnereiern
1510ist dies seit Jahren der Fall. Ein erster Schritt sind die
1511Tierschutzlabel des Deutschen Tierschutzbundes. Damit werden auch
1512konventionelle Züchter angeregt, ihre Tiere unter möglichst guten
1513Bedingungen zu halten.

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