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D4: GRÜNE Frauenpolitik: gleiche Anerkennung, gleiche Sicherheit, gleiche Chancen

Veranstaltung: LDK Sachsen Januar 2014
AntragsstellerIn: Landesvorstand BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen
Status: Eingereicht
Eingereicht: 11.12.2013, 16:27 Uhr

Antragstext

2575Die Wirtschaft wird weiblich
2576BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen setzen sich dafür ein, dass Männer
2577und Frauen gleich bezahlt werden. Lohneinbußen sind häufig durch
2578Kindererziehungszeiten bedingt. Deswegen ist eine bessere
2579Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein strategisch wichtiges Ziel.
2580Unternehmen mit flexiblen Arbeitszeitmodellen, Arbeitsplatzteilung
2581Betriebskindergärten und anderen familienfreundlichen, die
2582Gleichberechtigung voranbringende Maßnahmen sollen besonders gefördert
2583werden. Frauen und Männer, die nach Auszeiten wieder ins Berufsleben
2584einsteigen wollen, sollen durch Beratung und Weiterbildung unterstützt
2585werden. Die Weichen für berufliche Laufbahnen werden durch die Wahl
2586der Ausbildung oder des Studienfachs gestellt. Mädchen entscheiden
2587sich häufiger für Dienstleistungsberufe mit geringeren Aufstiegs- und
2588Karrierechancen, obwohl ihnen mit besseren Schulabschlüssen alle Wege
2589offen stehen. Erziehung und Bildung in Kindertagesstätten und in
2590Schulen haben großen Einfluss auf geschlechtsspezifische Rollenmuster.
2591Wir wollen Rollenklischees aufbrechen und Jungen und Mädchen das ganze
2592Spektrum an möglichen Berufen und Wissenschaften
2593nahebringen. Wir wollen einen Girls- und Boys-Day für alle
2594Schülerinnen und Schüler ab der 5. Klasse, um früh und kontinuierlich
2595für vielfältige Berufswahlmöglichkeiten zu werben. Die Beratung zur
2596Profilwahl in den 7. Klassen soll geschlechtersensibel gestaltet
2597werden. Programme zur Berufswahl in den mathematischen,
2598naturwissenschaftlichen und technischen Fachrichtungen für Mädchen
2599wollen wir stärken. Frauen sind gute Unternehmerinnen, sie scheitern
2600seltener bei Existenzgründungen als Männer. Trotzdem wagen immer noch
2601relativ wenige Frauen den Schritt in die Eigenständigkeit. Deshalb ist
2602mehr Unterstützung bei Existenzgründungen nötig. Wir wollen die
2603Rahmenbedingungen, Verfahren und Förderinstrumente so gestalten, dass
2604sie auch für den vor allem von Frauen bevorzugten
2605Dienstleistungsbereich attraktiv sind. Gleichstellungsmaßnahmen nicht
2606nur zu fördern, sondern auch öffentlich zu machen hat positive
2607Auswirkungen auf die Zahl weiblicher Existenzgründungen und trägt dazu
2608bei, ein aktives GründerInnengeschehen in Sachsen langfristig zu
2609sichern.
2610Frauen nach oben in Wirtschaft und Wissenschaft
2611Wir wollen erreichen, dass Frauen und Männer gleiche Aufstiegschancen
2612haben, indem wir uns z. B. für eine Frauenquote in Führungspositionen
2613und für mehr Frauen in Aufsichtsratspositionen sächsischer Unternehmen
2614mit Landesbeteiligung einsetzen. Wir wollen durch flächendeckende
2615Bildungsberatung mehr Mädchen und Frauen zu Karrieren ermutigen und
2616dafür auch bessere und bedarfsgerechte Kinderbetreuung ausbauen.
2617Spezielle Weiterbildungsangebote für Wiedereinsteigerinnen wollen wir
2618fördern. Den Frauenanteil an wissenschaftlichen Führungspositionen
2619wollen wir im Rahmen verbindlicher Zielstellungen durch geeignete
2620Unterstützungs- und Anreizmaßnahmen auf allen Qualifikationsebenen
2621steigern.
2622Die geschlechtergerechte Demokratie in Sachsen verwirklichen
2623Die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern in allen
2624Lebensbereichen ist BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ein Grundanliegen. Konkret
2625bedeutet dies zumeist, der Benachteiligung von Frauen
2626entgegenzuwirken. Ein erster Schritt dazu ist die Rücknahme der
2627Kürzungen, die die schwarz-gelbe Regierung bei Netzwerken und
2628Beratungsangeboten für Frauen und Mädchen vorgenommen hat. Die
2629sächsischen GRÜNEN wollen die Infrastruktur für Frauen- und
2630Mädchenarbeit erhalten und ausbauen.
2631Wir wollen eine geschlechtergerechte Besetzung der öffentlich-
2632rechtlichen Landesgremien und der Aufsichts- und Beiräte bei den im
2633Landesbesitz befindlichen Unternehmen erreichen. Deshalb wollen wir
2634eine Frauenquote von 40 Prozent verbindlich machen. Das langfristige
2635Ziel sind 50 Prozent Frauen in Leitungsfunktionen. Im öffentlichen
2636Dienst muss die Verbesserung der beruflichen Chancen von Frauen aktiv
2637gefördert werden. Die Bedürfnisse von Frauen sind bei der
2638Nachwuchsförderung, bei der Planung von Weiterbildungsmaßnahmen und
2639bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen besonders zu
2640berücksichtigen.
2641Wir setzen uns für eine umfassende Verbreitung einer
2642geschlechtergerechten Sprache ein und wollen entsprechende
2643verbindliche Standards für den Verwaltungsschriftverkehr und alle
2644Publikationen und Mitteilungen des Freistaates festlegen.
2645Für eine bürgerinnennahe Polizei
2646Wir setzen uns dafür ein, dass der Frauenanteil bei der Polizei erhöht
2647und insbesondere auch in Führungspositionen ausgebaut wird. Dafür
2648bedarf es spezieller Weiterbildungsangebote und Mentoringprogramme für
2649Frauen.
2650Gewaltschutz dient der Selbstbestimmung
2651Wir wollen die Schutz- und Unterstützungseinrichtungen für Opfer
2652häuslicher Gewalt als Institutionen der Gefahrenabwehr einstufen und
2653fördern. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen per Gesetz regeln, dass die
2654Finanzierung barrierefrei zugänglicher Schutz- und Betreuungsangebote
2655zur kommunalen Pflichtaufgabe wird und der Freistaat Städte und
2656Gemeinden entsprechend fördert. Zur Bekämpfung von Frauenhandel und
2657Zwangsprostitution wollen wir einen umfassenden Schutz und ein
2658dauerhaftes Bleiberecht für Zeuginnen und Opfer. Die Finanzierung von
2659Schutzräumen für betroffene Frauen und Kinder muss sichergestellt
2660werden.
2661Selbstbestimmung ohne Barrieren
2662Um die Belange von Frauen mit Behinderungen in den politischen
2663Prozessen stärker einbinden zu können, bedarf es einer starken
2664politischen Interessenvertretung. Wir wollen ein landesweites Netzwerk
2665für behinderte Frauen und Mädchen ermöglichen. Wir fordern die
2666Erarbeitung einer entsprechenden Landesstatistik und geeignete
2667Maßnahmen wie eine geschlechtersensible Pflegeassistenz sowie
2668barrierefreie Anlaufstellen vor Ort, an die sich behinderte Frauen und
2669Mädchen in Krisenfällen wenden können und wo sie lernen können, sich
2670gegen Übergriffe zu wehren. Wir setzten uns für eine Öffnung der
2671Frauenhäuser für Frauen mit Behinderungen ein. Derzeit sind in Sachsen
2672nur wenige Frauenhäuser barrierefrei, so dass gerade Frauen mit
2673Behinderungen oft dieser nötige Zufluchtsort verwehrt bleibt.
2674Geschlechtergerecht haushalten
2675Mit dem Konzept des Gender-Budgeting wird eine geschlechtergerechte
2676Haushaltsplanung angestrebt. Dabei werden staatliche Ausgaben auf ihre
2677Wirkung auf die Geschlechterverhältnisse hin analysiert. Ermittelten
2678Benachteiligungen kann dann gezielt entgegengesteuert werden. BÜNDNIS
267990/DIE GRÜNEN in Sachsen wollen die Prinzipien des Gender-Budgeting
2680bei der Aufstellung des Landeshaushaltes berücksichtigen.

Änderungsanträge