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F1: Zukunftschancen ermöglichen mit guten Kitas und Schulen

Veranstaltung: LDK Sachsen Januar 2014
AntragsstellerIn: Landesvorstand BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen
Status: Eingereicht
Eingereicht: 11.12.2013, 16:37 Uhr

Antragstext

3188Gute Bildung für alle! Für bessere Kitas und Schulen
3189BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen eine gute Bildung für alle ermöglichen.
3190Dazu gehört für uns die Vermittlung grundlegender Kompetenzen wie
3191Lesen, Schreiben und Rechnen ebenso wie das gemeinsame Leben und
3192Lernen eines sozialen Miteinanders und ökologischer Verantwortung.
3193Auch wenn das sächsische Schulsystem im deutschlandweiten
3194Kompetenzvergleich gut abschneidet, werden Schülerinnen und Schüler,
3195Eltern und Lehrkräfte tagtäglich mit vielfältigen Problemen
3196konfrontiert: Kitaplatzmangel, Benachteiligung von Schülerinnen und
3197Schülern mit Behinderung, Unterrichtsausfall, unsanierte Schulgebäude,
3198fehlendes Fremdsprachangebot. Wir wollen genügend Kita-Plätze und gute
3199frühkindliche Bildung, mehr Bildungsgerechtigkeit, die notwendige Zahl
3200hervorragender Lehrkräfte und selbstständige und wohnortnahe Schulen
3201ermöglichen.
3202Kita-Plätze für alle
3203Eltern brauchen ein bedarfsgerechtes Angebot an Kita-Plätzen in
3204Wohnort- oder Arbeitsplatznähe. Wir wollen die Kommunen beim
3205Kitaplatzausbau stärker unterstützen, so dass der Rechtsanspruch auf
3206einen Betreuungsplatz bei steigenden Kinderzahlen tatsächlich
3207gewährleistet werden kann. Ein Investitionsprogramm für Sanierung und
3208Neubau von Kindertageseinrichtungen, die Sicherung der Kapazitäten für
3209die ErzieherInnenausbildung an Fachschulen sowie der Ausbau an den
3210Hochschulen bringen gute Kitaplätze und mehr Erzieherinnen und
3211Erzieher. Tagespflege kann ein gutes ergänzendes Angebot sein, wenn
3212sie denselben Qualitätsstandards genügt, wie sie für Kitas gelten.
3213Mehr Qualität und Bildungsgerechtigkeit durch besseren
3214Betreuungsschlüssel

3215Jedes Kind wird durch die frühen Jahre seines Lebens entscheidend
3216geprägt. Gute Kitas und Kindertagespflegestellen eröffnen Chancen,
3217wenn sie ihrem gesetzlichen Bildungsauftrag richtig nachkommen. Gerade
3218Kinder, die in schwierigen Verhältnissen aufwachsen, gewinnen durch
3219gezielte Förderung. Zur weiteren Verbesserung der Qualität brauchen
3220die Kitas mehr qualifiziertes Personal. Insbesondere Kitas in
3221Ortsteilen mit besonderen sozialen Herausforderungen sollen bei Vor-
3222und Nachbereitung und Elternarbeit personell unterstützt werden. Wir
3223wollen Kinder mit Behinderung nicht in Sondereinrichtungen abschieben,
3224sondern gemeinsames Spielen, Lernen, Lachen in inklusiven Kitas
3225umfassend ermöglichen. Wir wollen Standards für den Anteil
3226heilpädagogischer Fachkräfte in inklusiven Kitas festschreiben. Die
3227Umsetzung des Bildungsplans darf nicht nur dem Engagement der
3228Erzieherinnen und Erzieher überlassen werden. Die Kitas brauchen
3229endlich zusätzliches Personal. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen deshalb
3230langfristig den Betreuungsschlüssel auf 1:10 im Kindergarten und 1:4
3231in der Krippe verbessern. In einem ersten Schritt wollen wir 90
3232Millionen Euro zur Verbesserung des Personalschlüssels auf 1:12 und
32331:5 zur Verfügung stellen.
3234Aus- und Weiterbildung von ErzieherInnen verbessern
3235BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen fordern einen zügigen Ausbau aus-
3236und weiterbildender elementarpädagogischer Studiengänge an den
3237sächsischen Hochschulen als der zweiten Säule der
3238ErzieherInnenausbildung neben den Fachschulen. Wir setzen uns dafür
3239ein, dass in Sachsen auch das dritte Jahr zur ErzieherInnenausbildung
3240finanziert wird. Um ein international vergleichbares Niveau zu
3241erreichen, sollen bis 2020 mindestens jede zweite neu ausgebildete
3242pädagogische Fachkraft und alle Fachkräfte in Kita-Leitung,
3243Fortbildung und Fachberatung einen Hochschulabschluss besitzen.
3244Ausgebildete Pädagoginnen und Pädagogen brauchen einen leichteren
3245Zugang zum ErzieherInnenberuf. Erzieherinnen und Erzieher können noch
3246viel besser mit einem umfangreichen Beratungs- und
3247Weiterbildungsangebot unterstützt werden. Die Anzahl der
3248frühpädagogischen Professuren und der zugehörigen wissenschaftlichen
3249Mitarbeiterstellen an sächsischen Hochschulen sollen bedarfsgerecht
3250erhöht werden. Um den Beruf als ErzieherIn attraktiver zu machen,
3251bedarf es neben einer besseren Qualifikation auch einer gerechten
3252Entlohnung.
3253Kindertagespflegestellen als Erfahrungsorte frühkindlicher Bildung
3254Wir wollen neben den Kitas auch die Tageseltern stärken. Es gibt
3255unterschiedliche Regelungen zur Zahlung der Aufwandsentschädigung bei
3256Krankheit oder Urlaub, Vertretungen sind nicht abgesichert.
3257Tagespflegeeltern mit ErzieherInnenabschluss verdienen deutlich
3258weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in der Kita. Die
3259Kindertagespflege darf nicht länger das Sparmodell in der
3260Kinderbetreuung bleiben – das gilt auch für die Qualität. BÜNDNIS
326190/DIE GRÜNEN in Sachsen wollen den Aufbau regionaler Beratungsstellen
3262und Vernetzungsmöglichkeiten unterstützen, Fort- und
3263Weiterbildungsangebote für die spezifischen Erfordernisse von
3264Tagesmüttern und Tagesvätern ausbauen und landesweit verbindliche
3265Standards für ihre angemessene, qualifikations- und leistungsgerechte
3266Vergütung sowie für Krankheits- und Urlaubsregelungen verbindlich
3267festschreiben und für eine finanzielle Gleichstellung von
3268Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege sorgen.
3269Schulische Inklusion entschlossen umsetzen
3270Mit der Unterzeichnung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009
3271hat sich Deutschland dazu verpflichtet, dass SchülerInnen mit
3272sonderpädagogischem Förderbedarf grundsätzlich allgemeinbildende
3273Schulen besuchen können. Doch die Realität in Sachsen sieht so aus,
3274dass das Recht auf inklusive Bildung nur in Ausnahmefällen
3275gewährleistet wird. Wir unterstützen den 2011 im Landtag gefundenen
3276Grundkonsens, das sächsische Bildungssystem zu einem inklusiven System
3277weiterzuentwickeln und dem Elternwunsch nach Besuch einer Regelschule
3278bei verbesserten Rahmenbedingungen zu entsprechen. BÜNDNIS 90/DIE
3279GRÜNEN streben ein vollständig inklusives Schulsystem in Sachsen an
3280und wollen zügig alle Voraussetzungen dafür schaffen. Wir wollen den
3281Rechtsanspruch eines jeden Kindes auf den Besuch von Regelschulen bei
3282deutlich verbesserten Rahmenbedingungen – wie ausreichenden
3283SchulassistentInnen und sonderpädagogischen Lehrkräften –
3284gewährleisten. Lernzieldifferenzierter Unterricht in der Sekundarstufe
3285soll rechtlich ermöglicht werden. Wir wollen gemeinsam mit
3286Schulträgern und weiteren Akteuren eine Konzeption zur Umsetzung der
3287UN-Konvention erarbeiten, die verantwortliche Zeitvorgaben beinhaltet.
3288Inklusive Bildung gehört auch in die Aus- und Fortbildung von allen
3289LehrerInnen und in die Elternberatung. Das Prinzip der
3290Barrierefreiheit gilt selbstverständlich auch für die bauliche
3291Gestaltung von Schulen. Wir wollen dieses Ziel als Investitionsvorrang
3292in der Schulhausbauförderung verankern.
3293Eine für alle! Gemeinschaftsschule konkret umsetzen
3294Wir GRÜNE setzen auf gute Bildungschancen unabhängig von Herkunft oder
3295Elternhaus. Jedes Kind soll individuell gefördert werden und alle
3296Abschlüsse an ein und derselben Gemeinschaftsschule erreichen können.
3297Zugleich sollen auch am Gymnasium alle Schulabschlüsse erworben werden
3298können. Die Wahl zwischen Oberschule und Gymnasium, muss damit künftig
3299nicht mehr als Entscheidung über Lebenswege empfunden werden. Wir
3300wollen Gemeinschaftsschulen von der Einschulung bis zum Schulabschluss
3301durch Neugründungen oder Kooperationen bestehender Schulen dort
3302ermöglichen, wo kommunale oder freie Schulträger dies wollen. Wir
3303wollen darüber hinaus eine gemeinsame Schulzeit ab der fünften
3304Klassenstufe einführen, indem die jetzigen Oberschulen zu
3305Gemeinschaftsschulen werden. Die Bildungsempfehlung wird durch eine
3306Bildungsberatung durch die Schule ersetzt. Das Abitur kann an
3307Gemeinschaftsschulen durch eine eigene gymnasiale Oberstufe oder eine
3308verbindliche Kooperation mit Oberstufen anderer Gemeinschaftsschulen,
3309den Gymnasien oder beruflichen Gymnasien in Oberstufenzentren
3310ermöglicht werden. Dabei soll das Abitur an der Gemeinschaftsschule
3311wahlweise in zwölf oder dreizehn Jahren abgelegt werden können, um den
3312unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten der SchülerInnen Rechnung zu
3313tragen.
3314Zeit für mehr! Echte Ganztagsschulen braucht das Land
3315Auch wenn Sachsen den bundesweit höchsten Anteil von Ganztagsangeboten
3316aufweist, sind echte Ganztagsschulen immer noch die Ausnahme. Auch
3317wenn die Förderung von Ganztagsangeboten etwas vereinfacht wurde,
3318fehlen nach wie vor Anreize für tatsächliche Ganztagsschulkonzepte.
3319Unter echten Ganztagsschulen verstehen wir GRÜNEN nicht etwa die
3320Verlängerung des traditionellen Unterrichts in den Nachmittag hinein
3321oder lediglich das Anhängen eines Freizeitangebots an den
3322Unterrichtsvormittag. „Zeit für mehr“ bedeutet für uns, mehr
3323Möglichkeiten für eine moderne Pädagogik, für gute Diagnostik, für
3324eine echte individuelle Förderung sowie für die gute und durchdachte
3325Öffnung der Schule nach außen.
3326Grundlage einer GRÜNEN Ganztagsschule ist die Nutzung moderner Lern-
3327und Lehrmethoden, die den individuellen Bedürfnissen der Kinder und
3328Jugendlichen gerecht werden. In Ganztagsschulen, in denen sich Phasen
3329von Unterricht und Selbstlernen, Projekten und Freizeit abwechseln,
3330kann effektiver und vor allem auch kindgerechter gelernt werden, und
3331klassische Hausaufgaben können wegfallen. Ein vielfältiges von
3332verschiedensten Lernformen gekennzeichnetes Tagesprogramm gelingt in
3333der Zusammenarbeit methodisch kompetenter Lehrkräfte mit ErzieherInnen
3334und SozialpädagogInnen als gleichberechtigten Mitgliedern des
3335PädagogInnenteams. Echte Ganztagsschulen sichern eine verlässliche
3336Versorgung mit gesundem Mittagessen. Sie ersetzen in den unteren
3337Klassen das Nebeneinander von Grundschule und Hort ohne
3338Qualitätsabstriche. Um echte Ganztagsschulen zu schaffen, wollen
3339BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN die Förderung von Ganztagsschulen auf eine
3340mehrjährige Pauschalförderung nach Vorlage eines pädagogischen
3341Konzepts umstellen. Die Ganztagsschulförderung soll auf die
3342Grundschule unter Einbeziehung der bisherigen Hortangebote ausgeweitet
3343werden.
3344Soziales Lernen stärken
3345BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen wollen die Kommunen bei der
3346flächendeckenden und bedarfsgerechten Einstellung von
3347SchulsozialarbeiterInnen und SchulpsychologInnen in allen Schularten
3348unterstützen. Schulen in sozialen Brennpunkten sollen durch eine
3349bedarfsorientierte Förderung der Schulsozialarbeit stärker gefördert
3350werden. Die an Förderschulen bereits bewährten pädagogischen
3351Unterrichtshilfen wollen wir auch an Gemeinschaftsschulen einführen.
3352Für eine individuelle Lernkultur
3353Nur eine individualisierte Lernkultur wird allen Schülerinnen und
3354Schülern gerecht, denn jeder Mensch lernt anders. Der reine
3355Frontalunterricht kann durch einen Methodenmix aus Projektunterricht,
3356selbstständigem Lernen, Einsatz von Medien und klassischen Lehrformen
3357ersetzt werden. Die Aus- und Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern
3358muss dem Rechnung tragen. Lernberichte sind ein wirkungsvolles
3359Instrument der Lern- und Leistungseinschätzung und sollten die
3360traditionelle Notenskala ergänzen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen
3361wollen jahrgangsübergreifenden Unterricht und andere innovative
3362Lernformen in allen Schularten ermöglichen und innovative
3363Unterrichtsformen wie das Jahrgangsteam-Modell oder Team-Coaching
3364unterstützen. Für Kinder mit Teilleistungsschwächen wie Legasthenie,
3365Dyskalkulie und ADS wollen wir das gesetzlich verbriefte Recht auf
3366Notenschutz und Nachteilsausgleich einführen. Die Nichtversetzung in
3367das nächste Schuljahr (Sitzenbleiben) soll durch gezielte individuelle
3368Förderung überflüssig gemacht werden und nur noch auf Wunsch der
3369betreffenden SchülerInnen beziehungsweise derer Eltern angewendet
3370werden.
3371Zweisprachiges Bildungssystem für die bi-kulturelle Lausitz
3372Wir wollen, dass das sorbische Witaj-Sprachprojekt zu einem
3373zweisprachigen Bildungssystem für die gesamte bi-kulturelle Lausitz
3374ausgebaut wird. Auch jenseits des sogenannten sorbischen Kerngebietes
3375sollen Witaj-Gruppen angeboten werden können und eine entsprechende
3376Fortführung in den Schulen nach dem „2plus-Modell“ gewährleistet
3377werden.
3378Echte Lernmittelfreiheit verwirklichen
3379Schulbildung ist ein Grundrecht, deswegen müssen alle Kinder
3380unabhängig von ihrer sozialen Herkunft Zugang zu Bildungsinhalten
3381bekommen. Wir haben noch keine echte Lernmittelfreiheit und somit
3382keine Bildungsgerechtigkeit. Wir wollen, dass Schulen und Kommunen in
3383die Lage versetzt werden, für alle SchülerInnen Lehrbücher,
3384Arbeitshefte und didaktische Materialien bereitzuhalten. Dazu gehört
3385auch, dass digitale Lernmittel und neue Medien allen Schülerinnen und
3386Schülern zur Verfügung stehen. Dies kann insbesondere durch die
3387Förderung von Open-Source-Projekten ermöglicht werden. BÜNDNIS 90/DIE
3388GRÜNEN sprechen sich für verbindliche Standards für die kostenfreie
3389Lernmittelausstattung aus.
3390Tradierte Rollenbilder durch geschlechtergerechte Bildung überwinden
3391Eine geschlechtergerechte Bildung ist für uns ein wesentlicher
3392Bestandteil von Bildungsgerechtigkeit. Eine geschlechtersensible
3393Bildung in Kitas und Schulen hilft, überholte Rollenbilder zu
3394überwinden und geschlechtsspezifische Benachteiligungen abzubauen.
3395Deshalb wollen wir geschlechtergerechte Erziehung zu einem
3396verbindlichen Bestandteil der Aus- und Weiterbildung von ErzieherInnen
3397machen und dieses Thema auch in der Lehramtsausbildung sowie der
3398pädagogischen Fort- und Weiterbildung stärker verankern. Der Anteil
3399von männlichen Erziehern in Kitas kann noch deutlich erhöht werden.
3400Zudem ist zu gewährleisten, dass auch Lehr- und Lernmittel im Hinblick
3401auf Geschlechtersensibilität konzipiert werden.
3402Schule in gesellschaftlicher Verantwortung
3403Wir wollen, dass an Schulen demokratisches und zivilgesellschaftliches
3404Engagement, soziale Verantwortung und religiöse Toleranz gelernt und
3405gelebt werden. Wir wollen Schulen stärker als bisher für
3406zivilgesellschaftliche Initiativen öffnen sowie Informationen über und
3407Trainings gegen Rechtsextremismus offensiv unterstützen und fördern.
3408Über Informationsveranstaltungen der Bundeswehr muss an der Schule
3409rechtzeitig informiert werden, und Schülerinnen und Schüler müssen auf
3410eigenen Wunsch freigestellt werden können.
3411LehrerInneausbildung reformieren
3412Wir wollen das Lehramtsstudium attraktiver machen und junge Menschen
3413für den Lehrerberuf gewinnen, z. B. durch freiwillige Eignungstests
3414für Interessierte bereits vor Studiumsbeginn. Die Praxisanteile in der
3415Lehrerausbildung sollen durch Orientierungspraktika und Praxissemester
3416sowie eine permanente studienbegleitende Praxis gestärkt werden. Auch
3417die bildungswissenschaftlichen Anteile in der Ausbildung von
3418Lehrerinnen und Lehrern sind zu stärken – dies gilt insbesondere für
3419die Grundschule. Wir halten die Unterscheidung der Lehrämter nach
3420verschiedenen Schularten für überholt und wollen stattdessen die
3421Lehramtsausbildung auf ein Stufenmodell (Primarstufe – Grundschule,
3422Sekundarstufe – Oberschule/Gymnasium) mit gleicher Qualität und Dauer
3423umstellen. Eine stufenbezogene Ausbildung erhöht nicht nur die
3424Vielseitigkeit des Lehramtsstudiums sondern auch die
3425Einsatzmöglichkeiten bei der späteren Lehrtätigkeit. In diesem
3426Zusammenhang streben wir auch eine Gleichstellung des Lehramtes an
3427Grundschulen mit den übrigen Lehrämtern an. Alle LehrerInnen sollen
3428umfassende Kompetenzen im Umgang mit SchülerInnen mit Behinderungen
3429entwickeln können. Deshalb sind Pflichtmodule in inklusiver Pädagogik
3430verbindlich im Lehramtsstudium zu verankern. Die Ausbildung von
3431Lehrerinnen und Lehrern muss klar und verbindlich durch ein
3432Lehrerbildungsgesetz geregelt werden.
3433Seiteneinstieg ermöglichen
3434Vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Lehrkräftemangels sollten
3435alle Möglichkeiten zur Gewinnung von LehrerInnennachwuchs ausgeschöpft
3436werden. Die beruflichen Schulen haben gezeigt, dass die Einbindung von
3437SeiteneinsteigerInnen eine Lösung des Problems sein kann. Angesichts
3438der stärkeren pädagogischen Herausforderungen im Bereich der
3439allgemeinbildenden Schulen ist es jedoch unerlässlich, die Möglichkeit
3440des Seiteneinstieges an ein umfassendes pädagogisches Studium zu
3441koppeln. Deshalb wollen wir die Universitäten mit der Entwicklung
3442eines eigenständigen Masterstudiengangs für SeiteneinsteigerInnen mit
3443fachlichem oder pädagogischem Hochschulabschluss beauftragen. Außerdem
3444ist ein Stipendienprogramm für den Seiteneinstieg in Mangelfächern
3445aufzulegen.
3446Schule als fairer und attraktiver Arbeitsplatz
3447Sachsen wird nur dann genügend Lehrkräfte gewinnen können, wenn der
3448Arbeitsplatz Schule in jeder Hinsicht attraktiver wird. Lehrerinnen
3449und Lehrer leisten eine wertvolle Arbeit in Sachsen. Sie sind
3450verantwortlich für gute Bildungserfolge, aber für ihre Arbeit erfahren
3451sie keine ausreichende Wertschätzung. Sie werden in Sachsen
3452unterschiedlich entlohnt, weil sie an unterschiedlichen Schularten
3453unterrichten. Dies ist nicht nur ungerecht, sondern führt unter
3454anderem dazu, dass ein Großteil der Lehramtsstudierenden das
3455Gymnasium, aber viel zu wenige die schlechter vergüteten Schularten
3456Grundschule und Oberschule anstreben. Wir setzen uns für einen
3457Tarifvertrag zur Arbeitszeit der Lehrkräfte, der alle
3458Tätigkeitsbereiche berücksichtigt, anstelle der bisherigen einseitigen
3459Arbeitgeberrichtlinie und eine schrittweise einzuführende einheitliche
3460Vergütung der Lehrkräfte aller Schularten in der Entgeltgruppe 13 ein.
3461Faire Altersteilzeitmodelle sind zur Gestaltung des
3462Generationenwechsels in den Schulen notwendig.
3463Nicht nur die Vergütung, sondern auch der Arbeitsplatz von Lehrkräften
3464muss attraktiver gestaltet werden. Wir wollen, dass die Vor- und
3465Nachbereitung des Unterrichts in der Schule erfolgen kann. In der
3466Organisation der Arbeitszeit wollen wir uns durch die Ermöglichung von
3467Arbeitszeitkonten von der einseitigen Konzentration auf die
3468Unterrichtsverpflichtung lösen und damit die Vielfalt der
3469pädagogischen Tätigkeiten anerkennen.
3470Selbstständige Schule
3471Wir wollen Schulen in organisatorischer, finanzieller und personeller
3472Hinsicht unabhängiger machen. Deshalb wollen wir schrittweise die
3473Finanzierung der Schulen auf Budgets umstellen, die die spezifischen
3474sozialen und pädagogischen Voraussetzungen der einzelnen Schulen
3475berücksichtigen. Die Entscheidungsbefugnis über finanzielle,
3476organisatorische und personelle Fragen wollen wir in die Hände der
3477demokratisch gewählten Schulgremien legen. Die Sächsische
3478Bildungsagentur kann dann zu einer regionalen Koordinationsstelle für
3479Profilentwicklung, Qualitätsmanagementprozesse und Evaluation
3480umgewandelt werden. Die Entscheidung über die Einstellung von
3481Lehrkräften soll mit einem Vorschlagsrecht der Bildungsagentur
3482(LehrerInnenpool) verbunden sein, um eine regionale ausgewogene
3483Lehrerkräfteversorgung zu sichern.
3484Der Freistaat soll Schulverbünde und andere regionale
3485Kooperationsformen zwischen mehreren Einrichtungen zulassen und
3486fördern.
3487Schulschließungen müssen der Vergangenheit angehören. Intelligente
3488Vernetzungen können unabhängig von Schülerzahlen flächendeckende Lehre
3489ermöglichen.
3490Schulhausbau – Investitionsstau auflösen
3491Der Investitionsstau an sächsischen Schulen beläuft sich nach Angaben
3492der Kommunen auf fast 2 Mrd. Euro. Dies führt nicht nur zu
3493Kapazitätsengpässen in den Einrichtungen und einer unbefriedigenden
3494Lernatmosphäre, sondern auch zu einer schlechten Energie- und
3495Klimabilanz. Wir wollen diesen Rückstand bis 2020 zu einem Großteil
3496aufholen. Beim Neubau von Schulen und bei der grundlegenden Sanierung
3497sind umfassende Ansprüche an Barrierefreiheit sowie moderne
3498pädagogische Erkenntnisse im Raumkonzept zu berücksichtigen. Vorrangig
3499wollen wir die baulichen Voraussetzungen für gute Ganztagsschulen, z.
3500B. mit echten Schulküchen oder Ruheräumen, fördern. BÜNDNIS 90/DIE
3501GRÜNEN sprechen sich für ein Investitionsprogramm aus, um den
3502Investitionsstau zu einem großen Teil aufzulösen. Diese Verpflichtung
3503der Schulträger wollen wir mit höheren Schlüsselzuweisungen für
3504Schüler untersetzen und transparent darstellen.
3505Gleichstellung von Schulen in freier und staatlicher Trägerschaft
3506CDU und FDP haben in den letzten Jahren den Betrieb und die Gründung
3507freier Schulen in Sachsen deutlich erschwert. Die staatlichen
3508Zuschüsse an Freie Schulen wurden von 90 auf 80 Prozent gesenkt und
3509die Erstattung des Schulgeldes für sozial Bedürftige abgeschafft. Neu
3510zu gründende Freie Schulen sollen dieselben Mindestschülerzahlen wie
3511öffentliche Schulen vorweisen. Auch die „Wartefrist“, nach deren
3512Ablauf Freie Schulen überhaupt erst öffentliche Zuschüsse bekommen,
3513ist von drei auf vier Jahre verlängert worden. Wir wollen diese
3514Verschlechterungen rückgängig machen. Die Schulgelderstattung muss
3515wieder eingeführt werden.
3516Gute Bildung für das ganze Leben: Berufliche Bildung und Weiterbildung
3517Angesichts des längst wirkenden Fachkräftemangels ist es nicht
3518hinnehmbar, dass die Zahl der Ausbildungsabbrüche weiterhin hoch ist.
3519Wir wollen die duale Ausbildung stärken und die Berufsorientierung
3520verbessern. Wir wollen durch die Einführung von praxisorientierten
3521Produktionsschulen und eine Modularisierung der Ausbildung erreichen,
3522dass auch "Schulmüde" und Jugendliche ohne Schulabschluss durch
3523Ausbildung einen Einstieg in den Beruf finden. Wo es notwendig ist,
3524sollen BerufsschülerInnen durch BeratungslehrerInnen als LotsInnen und
3525MentorInnen bei der Lehrstellensuche, während der Ausbildung und bei
3526der Arbeitsplatzsuche begleitet werden. Wir wollen, dass sich auch die
3527beruflichen Schulen schrittweise zu inklusiven Schulen entwickeln.
3528Dafür wollen wir insbesondere die Ausbildungsbetriebe stärker für
3529Menschen mit Handicaps sensibilisieren und bei ihrer Ausbildung
3530unterstützen. Die Schulnetzplanung im Bereich berufsbildender Schulen
3531und beruflicher Gymnasien findet heute weitgehend in den Grenzen der
3532Landkreise und kreisfreien Städte statt. Wir wollen, dass sich die
3533Schulträger einer Region unter der fachlichen Moderation durch das
3534Kultusministerium kreisübergreifend unter Beteiligung der
3535Ausbildungsfirmen auf regionale Schulnetzplanungen verständigen, um
3536auf demographische Entwicklungen zu reagieren und Angebote sinnvoll
3537aufeinander abzustimmen.
3538Lebenslanges Lernen bedeutet auch die Chance, schulische Abschlüsse
3539nachzuholen. Wir wollen wieder mehr Anstrengungen auf den Erhalt des
3540zweiten Bildungsweges legen, denn die gegenwärtige Ausdünnung der
3541Abendgymnasien und -mittelschulen baut Möglichkeiten für Erwachsene
3542ab. Wir wollen dagegen mehr Möglichkeiten schaffen, das Abitur oder
3543die Mittlere Reife nachzuholen. Vorrangig können dafür vorhandene
3544Schulgebäude genutzt werden. Dort, wo das nicht möglich ist, soll
3545geprüft werden, ob die ortsansässige Volkshochschule oder eine andere
3546geeignete Bildungsstätte mit dieser Aufgabe betraut werden kann.
3547Zudem wollen wir insbesondere in entwicklungsbedürftigen Regionen und
3548Stadtquartieren die Zugänge zur Erwachsenenbildung erleichtern.
3549Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen sollen
3550verstärkt Projekte der Interkulturellen Bildung, der Umweltbildung der
3551Familienbildung und der Seniorenbildung gefördert werden.
3552BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen wollen in einem
3553Bildungsfreistellungsgesetz den Anspruch auf bezahlte Freistellung für
3554Weiterbildung gesetzlich verankern. Die Zuschüsse für die
3555Volkshochschulen wollen wir schrittweise auf den bundesdeutschen
3556Durchschnitt anheben.

Änderungsanträge