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C1neu: Die Natur in ihrer Vielfalt erhalten

Veranstaltung: LDK Sachsen Januar 2014
AntragsstellerIn: Landesvorstand BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen
Status: Angenommen
Eingereicht: 21.01.2014, 18:36 Uhr
Ersetzt diesen Antrag: C1 - Die Natur in ihrer Vielfalt erhalten

Antragstext

1143Natur, Umwelt und Tiere zu schützen ist um ihrer selbst willen und um
1144die Grundlagen menschlicher Existenz zu erhalten, dringend geboten.
1145Ohne intakte Ökosysteme, ohne des Erhalts der Biodiversität, ohne des
1146Schutzes von Boden, Luft und Wasser können wir das Versprechen an
1147unsere Kinder und Kindeskinder nicht einlösen, ihnen gesunde
1148Lebensgrundlagen zu hinterlassen. Ökosysteme müssen sich in ihrer
1149Vielfalt regenerieren und erhalten können. Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
1150sind Natur- und Umweltschutz daher zentrale Felder unseres politischen
1151Handelns. Eine Landnutzung, die im Einklang mit den
1152Selbsterneuerungskräften der Natur steht, sichert nicht nur
1153Lebensräume für vom Aussterben bedrohte Arten, sondern auch Arbeit,
1154Einkommen und Lebensqualität der BewohnerInnen ländlicher Räume.
1155Doch die Roten Listen der vom Aussterben bedrohten Arten werden in
1156Sachsen immer länger. Hauptursache ist der Verlust ihrer Lebensräume
1157und damit auch unserer natürlichen Lebensgrundlagen durch massiven
1158Flächenverbrauch sowie die intensive Landwirtschaft mit
1159Nährstoffverlusten und Pestizidverwendung, der naturferne Ausbau
1160unserer Gewässer und der zunehmende ökonomische Druck auf die
1161Bewirtschaftung unserer Wälder. Der vom Menschen verursachte
1162Klimawandel, wiederkehrende Versuche auf unseren Feldern Gentechnik
1163einzuführen und die Vielfalt von Umweltgiften führen zu unabsehbaren
1164Risiken. Notwendig sind umfassende Lösungen, die die Vielfalt des
1165Lebens dauerhaft schützen und unser wertvolles Naturerbe bewahren.
1166Aufbau eines landesweiten Biotopverbundes und Stärkung der
1167Schutzgebiete

1168Eine wesentliche Voraussetzung für die Wiederherstellung günstiger
1169Lebensbedingungen heimischer Tier- und Pflanzenarten ist die
1170Herstellung eines landesweiten Biotopverbundes auf mindestens 10
1171Prozent der Landesfläche. Wir wollen aus bestehenden Schutz- und
1172Wildnisgebieten, Kulturlandschaften und neuen Verbindungsflächen ein
1173System zusammenhängender Lebensräume schaffen. Barrieren in den
1174Wanderkorridoren von Tieren wollen wir mithilfe von mehr Grünbrücken,
1175Amphibientunneln und ungestörten Vogelzugstrecken beseitigen. Weitere
1176Landschaftszerschneidungen sollen lediglich in Ausnahmefällen möglich
1177sein.
1178Den Naturschutzbehörden wollen wir ein höheres Budget für praktische
1179Maßnahmen zur Verfügung stellen. Wichtige Naturschutzprojekte bedürfen
1180einer dauerhaften Finanzierung.
1181In Sachsen existieren ein Nationalpark, drei Naturparks sowie ein
1182umfangreiches Netz aus Schutzgebieten. Wir GRÜNE setzen uns dafür ein,
1183dass die Schutzgebietsverwaltungen in den Großschutzgebieten nicht
1184abgebaut, sondern aufgestockt werden. Wir wollen die Ausweisung
1185weiterer Großschutzgebiete vorantreiben. Dies betrifft insbesondere
1186die Ausdehnung des Biosphärenreservats "Flusslandschaft Elbe", die
1187Erweiterung des Nationalparks Sächsische Schweiz und die Einrichtung
1188eines deutsch tschechischen Biosphärenreservats "Ost-Erzgebirge".
1189Artenvielfalt in der Kulturlandschaft
1190Ein engmaschiger Biotopverbund lässt sich durch eine
1191abwechslungsreiche und vielfältige Landnutzung erreichen. Deshalb
1192wollen wir den Trend zur Zentralisierung der Landwirtschaft umkehren
1193sowie die bäuerliche Landwirtschaft und den ökologischen Landbau
1194stärken. Umweltgerechter Ackerbau und eine naturschutzverträgliche
1195Bewirtschaftung artenreicher Wiesen und Weiden verdienen gezielte
1196finanzielle Förderung. Alle landwirtschaftlichen Nutzflächen brauchen
1197einen Mindestanteil an Grünland. Landschaftspflegeeinrichtungen wollen
1198wir mit einer finanziellen Mindestausstattung versehen.
1199Grünlandbiotope sind durch Maßnahmen der Naturschutzbehörden zu
1200sichern. Bodenbrüter wollen wir gesetzlich schützen.
1201Naturgemäße Forstwirtschaft und natürliche Waldentwicklung fördern
1202Der Begriff der Nachhaltigkeit wurde vor 300 Jahren in Bezug auf die
1203Forstwirtschaft in Sachsen geprägt. Die sächsische Gegenwart wird
1204dieser Tradition nicht mehr gerecht. Die Forstwirtschaft des
1205Freistaates setzt zunehmend auf Rationalisierung - mit immer größeren
1206Maschinen, immer größeren Revieren und mehr Kahlschlägen. BÜNDNIS
120790/DIE GRÜNEN stehen für eine nachhaltige Forstwirtschaft. Wir wollen
1208ein Netz von naturnahen nutzungsfreien Wäldern und Waldreservaten mit
1209Altholzbeständen entwickeln. Der Waldumbau zu struktur- und
1210artenreichen Mischwäldern ist unvermindert weiterzuführen. Im
1211Privatwald soll der Waldumbau unkompliziert und flexibel gefördert
1212werden.
1213Neben den naturgemäß bewirtschafteten Forsten muss auch der Anteil der
1214Waldflächen, in denen natürliche Prozesse ungestört ablaufen können,
1215mittelfristig im Staatswald auf 10 % erhöht werden. Der Sachsenforst
1216soll künftig nach den internationalen Kriterien für
1217verantwortungsvolle Waldwirtschaft des Forest Stewardship Council
1218(FSC) bewirtschaftet werden.
1219Stadtgrün und Artenschutz am Bau
1220Wir kämpfen für die Verbesserung des Klimas in den Städten durch
1221Grünbereiche, wie Wälder, Parks, Wiesen, Kleingärten, Flussläufe und
1222Straßenbäume. Gemeinschaftsgärten und Grünflächen auf brachliegenden
1223städtischen Flächen verdienen öffentliche Förderung.
1224BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN in Sachsen stehen für den Erhalt historischer
1225Gebäudesubstanz. Wir wollen ausreichende Fördergelder zu attraktiven,
1226unkomplizierten und flexiblen Bedingungen für Artenschutzmaßnahmen
1227verfügbar machen.
1228Bäume und Hecken, insbesondere große Altbäume, reinigen Atemluft,
1229schützen vor Lärm, spenden Schatten und liefern Sauerstoff. BÜNDNIS
123090/DIE GRÜNEN in Sachsen wollen die kommunale Selbstverwaltung beim
1231Baumschutz wieder herstellen. Die Städte und Gemeinden sollen die
1232Bäume grundsätzlich über eigene Baumschutzsatzungen schützen. Da die
1233Salzeinträge durch den Winterdienst zur Versalzung der
1234Oberflächenwässer beitragen und die Straßenbäume schädigen, fordern
1235wir die Reduktion des Tausalzeinsatzes und den Einsatz von
1236Alternativen.
1237Vollzug gesetzlicher Vorschriften - Naturschutzrecht nicht als
1238nachrangig behandeln

1239Der Schutz der biologischen Vielfalt wird durch rechtliche
1240Instrumentarium allein noch nicht gewährleistet. Zur Umsetzung sind
1241handlungsfähige Behörden erforderlich. Doch vor allem die
1242Naturschutzbehörden wurden in den letzten Jahren so oft umstrukturiert
1243und ihr Personalbestand abgebaut, dass ihre Wirksamkeit weit hinter
1244den Erfordernissen eines funktionierenden Naturschutzes zurückbleibt.
1245BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, dass der Freistaat
1246Sachsen seinen Verpflichtungen für qualifizierte und finanziell
1247ausreichend ausgestattete Naturschutzbehörden wieder nachkommt. Dazu
1248gehören auch Mittel für den Ankauf von Flächen, die besonders große
1249Naturschutzbedeutung haben.
1250Naturschutzakteure stärken
1251Das zivilgesellschaftliche Engagement von Naturschutzvereinen ist
1252heute die wichtigste Form des praktischen Naturschutzes. Doch immer
1253neue Hürden zwingen die Vereine zu immer höherem bürokratischen
1254Aufwand. Die Rechte der Naturschutzverbände wurden weiter beschnitten.
1255Oft sehen sich für Naturschutz Engagierte sogar dem Vorwurf
1256ausgesetzt, gemeinwohlgefährdende Verhinderer zu sein. Zudem ist der
1257ehrenamtliche Naturschutz in Sachsen von einer Überalterung betroffen.
1258BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen die bürokratischen Hürden für
1259NaturschützerInnen senken und der Nachwuchsgewinnung zum Erfolg
1260verhelfen, indem wir politische Rahmenbedingungen und das Auftreten
1261von Behörden so verändern, dass Naturschutz als ein positiver Beitrag
1262zum Gemeinwohl anerkannt wird und nicht als nebensächliches Hobby oder
1263gar als Querulanz. Wir setzen uns für einen verstärkten und
1264transparenten Informationsfluss zwischen Behörden und
1265NaturschützerInnen sowie der Öffentlichkeit ein. Wir sind Partner der
1266Naturschutzvereine.
1267Für Kontrollaufgaben und Arterfassungen, Öffentlichkeitsarbeit und
1268Umweltbildung sowie spezielle praktische Naturschutzmaßnahmen brauchen
1269wir Naturschutzwarte. Auf allen Verwaltungsebenen sollen zudem wieder
1270Naturschutzbeiräte eingeführt werden.

Änderungsanträge

keine